FRIBIS-Discussion-Paper: Wie hängt die sinkende Erwerbsquote mit dem technologischen Wandel zusammen – und was bedeutet das für die Umsetzbarkeit eines BGE?

In der Reihe der FRIBIS Discussion Papers ist soeben ein neuer Beitrag von Joe Chrisp, Aida Garcia-Lazaro, Nick Pearce erschienen:

Technological chance and growth regimes – Assessing the case for universal basic income in an era declining labour shares.

Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die Diagnose, dass in den letzten Jahrzehnten in den meisten OECD-Ländern ein erheblicher Rückgang der Erwerbsquote und ein Anstieg der Ungleichheit zu verzeichnen war. Der Rückgang der Erwerbsquote und der Anstieg der Ungleichheit stelle diese Länder vor verschiedene Probleme, sei es in Bezug auf die Verteilungsgerechtigkeit, die wirtschaftlichen und sozialen Ergebnisse, wie z. B. unzureichende Gesamteinkommen und Nachfrage, oder die demokratische Politik.

Welche Rolle spielt für diese Entwicklung der technologische Wandel – und spricht dieser Wandel für oder gegen die Realisierbarkeit eines Bedingungslosen Grundeinkommens? Diese und andere Fragen nimmt das Paper in den Blick.

Joe Chrisp: Research Associate, Institute for Policy Research (IPR), University of Bath

Aida Garcia-Lazaro: Research Associate, Institute for Policy Research (IPR), University of Bath, FRIBIS Team Microsimulation

Nick Pearce: Director, Institute for Policy Research (IPR), University of Bath, FRIBIS Team Microsimulation

Jürgen Schupp: Reform- und Transformationsschritte zu einer nachhaltigen Sozial- und Klimapolitik

Videoaufnahme des Vortrags von Jürgen Schupp: „Reform- und Transformationsschritte zu einer nachhaltigen Sozial- und Klimapolitik“, gehalten am 26. Jan. 2023 im Rahmen der FRIBIS Lecture Series an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Jürgen Schupp, Senior Research Fellow im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Mitglied des FRIBIS-Teams Expedition Grundeinkommen.

Zum 1. Todestag: Götz Werners Vermächtnis in Freiburg

Wer kennt sie nicht, die dm-Drogeriemärkte? Ihr Gründer, Götz W. Werner, ist letztes Jahr am 8. Februar 2022 im Alter von 78 Jahren gestorben. Bekannt wurde er einer breiteren Öffentlichkeit durch sein Eintreten für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Ein Einkommen, dass die Würde des Menschen garantiere und ohne Auflagen „von der Wiege bis zur Bahre“ jedem Menschen zustehen soll. Besonders in Freiburg wirkt sein Engagement für die Idee des Grundeinkommens weiter fort, indem er die wissenschaftliche Forschung zum BGE durch großzügige Spenden an die Universität Freiburg ermöglicht.

Seine Wahl fiel auf Freiburg, weil hier zu einem wesentlichen Teil die Entwicklung des deutschen Ordoliberalismus stattfand, den er als neuen Ordoliberalismus gerne mit dem bedingungslosen Grundeinkommen verbunden sehen wollte. Zudem hat in Freiburg sein enger Freund und Berater, Dr. Benediktus Hardorp, promoviert, der insbesondere zu Götz Werners Überzeugung beitrug, dass der Fokus auf die Mehrwertsteuer der richtige Steueransatz für eine positive Entwicklung der Gesellschaft sei. Die historischen Anknüpfungspunkte empfand er als Chance und Zeichen für das Zukünftige.

Als Götz Werner ab den 1980er-Jahren mit der Idee vom Grundeinkommen öffentlich auftrat, füllte er bereits große Säle und wusste zu begeistern. Doch lange galt das Grundeinkommen als bloße Utopie. Mittlerweile wird es weltweit diskutiert und in zahlreichen Testprojekten erprobt. In Deutschland wird es politisch wie zivilgesellschaftlich immer wieder in Erwägung gezogen.

Gegen Ende seines Lebens entschied sich Götz Werner, seinem ideellen Vermächtnis ein wissenschaftliches und institutionelles Fundament zu geben. In Bernhard Neumärker, Professor für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, sah er die Person, der er diese Aufgabe anvertrauen wollte. Götz Werner und seine Frau Beatrice – eine gebürtige Freiburgerin – stifteten die Götz Werner Professur (GWP), deren Direktor Prof. Neumärker ist. Schließlich wurde neben dem Lehrstuhl ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum, das Freiburg Institute for Basic Income Studies (FRIBIS), durch die finanzielle Unterstützung der dm-Werner Stiftung ermöglicht. Auch der damalige Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer, erkannte die gesellschaftspolitische Relevanz des Grundeinkommens und unterstützte die Initiative mit dem Ziel, die Universität Freiburg zu einem Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und zivilgesellschaftlichen wie politischen Diskussion zu diesem Zukunftsthema zu machen.

Heute besteht das FRIBIS aus zahlreichen Mitarbeitenden und zumeist international besetzten Forschungsteams, in denen Wissenschaftler und Akteure aus der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Die Teams widmen sich spezifischen gesellschaftlichen Fragen im Lichte des Grundeinkommens: Geschlechtergerechtigkeit, das ökologische Verhalten in Produktion und Konsum, Finanzierungsmöglichkeiten oder Pflegearbeit. Das FRIBIS ist das weltweit größte Forschungszentrum zum bedingungslosen Grundeinkommen und zieht daher führende Forschende aus der ganzen Welt an.

Die FRIBIS-Jahrestagung 2022: Impressionen und Rückblick

Von 10. bis 12. Oktober 2022 fand die FRIBIS-Jahrestagung 2022 unter dem Motto „Basic Income and Development“ statt. Kann ein BGE dazu beitragen, dass Umweltressourcen nachhaltiger genutzt werden, biodiverse Lebensräume erhalten bleiben und soziale Gemeinschaften resilienter werden? Würde es Menschen in (Post-)Konfliktregionen dabei unterstützen, sozialen Frieden herzustellen? Welche Potentiale setzt ein Grundeinkommen für Entwicklungspraktiken im Globalen Süden frei, wie bedingungslos kann es in der Praxis sein? Diesen und vielen anderen Fragen widmete sich sich die Jahrestagung.

Aufgrund der globalen Dimension des Themas standen internationale Fragestellungen im Mittelpunkt der Tagung. Die Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Vertretern und Vertreterinnen aus der Zivilgesellschaft sorgte für einen intensiven Austausch und produktive Vernetzung.

Neben drei Keynote-Vorträgen von Sarath Davala, Miram Laker-Oketta und Ugo Gentilini gab es insgesamt 19 Panel-Sessions in unterschiedlichen Formaten. Dank der technischen Unterstützung durch Meeting-Eulen wurden auch hybride Panels angeboten, sodass die Teilnehmenden in Freiburg mit Menschen an anderen Orten aus der ganzen Welt diskutieren konnten. Zwei der Keynotes sind mittlerweile als Filme (angefertigt von Enno Schmidt) auf dem FRIBIS-YouTube Channel abrufbar:

Das gesamte FRIBIS-Team hat sich über die Mitarbeit der Teilnehmenden und das große Interesse sehr gefreut und blickt bereits mit Vorfreude der nächsten Jahrestagung entgegen!

Prof. Dr. Michael Opielka: Soziale Nachhaltigkeit durch Grundeinkommen? Garantismus und Ordoliberalismus aus soziologischer Perspektive

Videoaufnahme des Vortrags von Prof. Dr. Michael Opielka: „Soziale Nachhaltigkeit durch Grundeinkommen? Garantismus und Ordoliberalismus aus soziologischer Perspektive“, gehalten am 01. Dez. 2022 im Rahmen der FRIBIS Lecture Series an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Prof. Michael Opielka ist Wissenschaftlicher Leiter und Geschäftsführer des ISÖ -Institut für Sozialökologie gemeinnützige GmbH und Professor für Sozialpolitik an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena.

Keynote von Sarath Davala (BIEN): Towards a Basic Income Society: what humankind needs to do before we get there

Dr. Sarath Davala (Hyderabad, Indien), Vorstandsvorsitzender des Basic Income Earth Network (BIEN), spricht in seiner Keynote über das Grundeinkommen im Kontext der gegenwärtigen globalen Krisen. Sein Vortrag eröffnete die FRIBIS Jahrestagung 2022, die sich dem Thema „Basic Income & Development“ widmete.

Das BGE ist für Dr. Davala keine Utopie, sondern die notwendige gesellschaftliche Grundlage zur Bewältigung der aktuellen und kommenden Herausforderungen. In seiner Keynote spricht er über den Arbeitsbegriff, die Gleichsetzung von Arbeit und Einkommen mit Erwerbsarbeit, den Wegfall von Arbeitsplätzen durch technologischen Wandel, die sozialpolitischen Krisen und die Klimakrise. Auch das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft ist Thema. Warum wir einen neuen Gesellschaftsvertrag brauchen und welche Rolle das Grundeinkommen dabei spielt, erläutert Sarath Davala in seiner Keynote.

Miriam Laker-Oketta: Basic Income and its role in addressing climate change and biodiversity loss

In diesem spannenden und lebendigen Vortrag von Miriam Laker-Oketta – Forschungsdirektorin von GiveDirectly, dem weltweit größten Grundeinkommensprojekt – geht es um die Frage, welche Rolle das Grundeinkommen beim Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Artenvielfalt spielt.

Miriam Laker-Oketta gibt einen ebenso lebensnahen wie lebenspraktischen Einblick in ihr reiches Erfahrungswissen, indem sie zeigt, welchen Unterschied ein Grundeinkommen für die Menschen und ihr Verhalten tatsächlich macht und wie sich dies auf Klimaschutz und Artenvielfalt auswirkt. GiveDirectly ist mittlerweile in 11 Ländern aktiv, Miriam Laker-Oketta konzentriert sich in ihrem Vortrag jedoch auf Uganda, mit einigen Querverweisen auf Kenia, Ruanda und den Kongo.

Nach einer kurzen Einführung zur Person von Prof. Sonny Mumbunan (Universität Indonesien) und einer Einführung ins Thema von Miriam Laker-Oketta folgt eine spontane Publikumsbefragung, bei der die eine Hälfte des Auditoriums Vorschläge macht, warum ein Grundeinkommen für Klima und Artenvielfalt förderlich sein könnte, während die andere Hälfte Bedenken gegenteiliger Art vorbringt. Danach präsentiert Frau Laker-Oketta ihre erstaunlichen Forschungsergebnisse und deckt dabei auch die häufig anzutreffende Doppelmoral sowie die lebensfremden Forderungen gegenüber afrikanischen Ländern auf. Was den Vortrag zu einem Erlebnis macht, ist nicht nur Miriams Laker-Okettas Freude an der Forschung, sondern auch der Praxisbezug ihrer Darstellung und die weitreichenden Konsequenzen, die ihre Ergebnisse mit sich bringen. Nach dem Vortrag kommen im Plenumsgespräch Grundeinkommensforschende sowie Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen Ländern mit Fragen zu Wort. Frau Laker-Oketta bezieht Stellung, indem sie bloße Vermutungen durch konkrete, belastbare Erfahrungswerte korrigiert, offene Forschungsfragen eruiert und wichtige neue Fragen aufwirft.

(Film, 80 Min., Enno Schmidt)

FRIBIS-Mitarbeiter Patrick Brown und Tobias Jäger im neuen enorm-Magazin zum Thema Grundeinkommen

Die neue Oktober/November-Ausgabe des enorm-Magazins, das über gesellschaftlichen und ökologischen Wandel berichtet, ist ganz dem Thema Bedingungsloses Grundeinkommen gewidmet. Auf 38 Seiten befasst sich das Magazin mit verschiedenen Aspekten rund um das BGE – und auch das FRIBIS ist mit von der Partie. Patrick Brown vom FRIBIS-Team Basic Income for Peacebuilding stellt die von ihm organisierte Machbarkeitsstudie aus Nordirland vor, und der Teamkoordinator Tobias Jäger spricht über das Projekt WEF_FABI in Namibia.

Interview mit Bernhard Neumärker zu den Freiburger Thesen in der UNIversalis-Zeitung

Im Sommer 2022 organisierte das FRIBIS eine Masterclass zum Bedingungslosen Grundeinkommen, die unter Leitung des Politologen Prof. Claus Leggewie stattfand. Als Ergebnis hielten die Teilnehmenden 10 Thesen zum Grundeinkommen fest. Nun hat die UNIversalis-Zeitung (Kulturjoker) Prof. Bernhard Neumärker zum Interview gebeten, um einige der Thesen mit ihm im Detail zu besprechen. Hier erfahren Sie mehr.

Alexander Spermann spricht auf Phoenix über Bürgergeld und Basisgeld

Der Ökonom, Arbeitsmarktforscher und Leiter des FRIBIS-Basisgeld-Teams Prof. Dr. Alexander Spermann hat am 24.11.2022 auf Phoenix ein Interview zum Bürgergeld gegeben.

Er meint, dass das Bürgergeld seinen Namen verdiene. Zwar bliebe die grundsätzliche Systematik von Hartz-IV erhalten, dennoch gäbe es auch substanzielle Neuerungen. Außerdem kommt er auf das Konzept des Basisgelds zu sprechen und erklärt die Vorteile dieses Ansatzes.