Sozialvertrag und Neuer Ordoliberalismus

Bislang ist die Analyse von Sozialverträgen reine Theorie geblieben. Zwar ist sie oft sehr ausgefeilt, konnte aber wegen ihrer Künstlichkeit nicht in die Praxis umgesetzt werden. Wie die Hände, die auf unserem Team-Logo nach den Sternen greifen, wollen wir die Sozialvertragsanalyse zurück auf die Erde holen – auf den Boden der Empirie. Mit diesem praxisorientieren Ansatz wollen wir Gedankenexperimente für die politische Gestaltung fruchtbar machen.

Unsere Ziele

Das FRIBIS-Team „Sozialvertrag und neuer Ordoliberalismus“ (SoCoBis) hat es sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur modernen Sozialvertragstheorie zu leisten, indem es die sozialvertraglichen Bedingungen und Regeln für eine Grundeinkommensgesellschaft experimentell erforscht. Dabei soll die Tradition des Freiburger Ordoliberalismus in Richtung des von Prof. Neumärker entwickelten Konzepts des “Neuen Ordoliberalismus” weiterentwickelt werden, der vor allem gesellschaftliche Nachhaltigkeit und Stabilität in den Fokus rückt. Um die Bedingungen sozialer Nachhaltigkeit angemessen zu verstehen, berücksichtigt SoCoBis auch Fragen der Reformökonomie sowie die Konflikt- und Machtökonomie. Die sozial- und wirtschaftspolitischen Implikationen des „Neuen Ordoliberalismus“ können dazu dienen, die Einführung des Grundeinkommens argumentativ zu begründen.

SoCoBis experimenteller Ansatz

SoCoBis unterscheidet sich von anderen FRIBIS Teams dadurch, dass es seine theoretischen Überlegungen im Rahmen sozialer Laborexperimente auf den Prüfstand stellt. Ziel ist es, sozial verträgliche Rahmenbedingungen eines Grundeinkommenssystems zu ermitteln. Dazu werden die Untersuchungen im Social Contract Lab (SoCoLab) durchgeführt, das seit über zehn Jahren an der Universität Freiburg aktiv ist und 2021 bereits zum zweiten Mal mit dem Lehrpreis der Fachschaft ausgezeichnet wurde. In Zusammenarbeit mit dem SoCoLab untersuchen wir die Relevanz von rationalen, aber zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangenden Vertragstheorien/Vertragslogiken und führen eine experimentelle Untersuchung von sozialvertraglichen Nachhaltigkeitsanforderungen durch.

Aktuelle Projekte

Derzeit arbeitet SoCoBis an zwei Forschungsprojekten. Erstens bereiten wir eine Veröffentlichung über das wirtschaftsethische Erbe des Philosophen und Ökonomen Karl Homann vor. Anhand von Laborexperimenten werden wir die Gesellschaftsvertragstheorie von Karl Homann mit unserem eigenen Modell vergleichen. Zweitens bemühen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern um eine Finanzierung durch die Europäische Kommission, weswegen wir uns für die Horizon Europe-Förderlinie zu Auswirkungen von Ungleichheiten auf die Demokratie beworben haben.

Research Team

Dr. Otto Lehto
ist ein finnischer Philosoph und politischer Ökonom. Er hat Englisch sowie Sozial- und Moralphilosophie an der Universität Helsinki studiert. Seine Promotion, die er am King’s College London (2016-2019) begonnen hat, konzentriert sich auf die Schnittstelle von Philosophie, Politik und Wirtschaft. Seit Juli 2021 arbeitet er am FRIBIS zu Themen rund um konstitutionelle politische Ökonomie und Ordoliberalismus.

Hier ist ein Interview mit Otto über den Ordoliberalismus und das Grundeinkommen.

Lebt in New York, USA.

 

Clem Davies
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Götz Werner Lehrstuhl. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Theroie von Sozialverträgen (social contracting) und Grundeinkommen, Plurale Ökonomik, und dem deutschem Ordoliberalismus.

Lebt in Freiburg i.Br., Deutschland.

Prof. Dr. Bernhard Neumärker
ist Leiter des FRIBIS und der Götz Werner Professor für Wirtschaftspolitik und Direktor der Abteilung für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie an der Universität Freiburg. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren aus ordnungspolitischer Perspektive mit Fragen sozialer Gerechtigkeit, gesellschaftlicher Konflikte und staatlicher Reformbereitschaft. Seit einiger Zeit wendet er seine von diesen Fragestellungen ausgehenden Konzepte des „Neuen Ordoliberalismus“ (auch „Progressive Ordoliberalism“ genannt) und der „Sozialen Nachhaltigkeit“ auf das bedingungslose Grundeinkommen an.

Lebt in Freiburg i.Br., Deutschland.

Richard Pereira
ist Autor und Herausgerber von “Financing Basic Income: Addressing the Cost Objection”, und wissenschaftlicher Mitarbeiter am FRIBIS. Wirtschaftsberater für UBI Works. Mitglied von COVE (Centre on Values and Ethics), Carleton University, Ottawa.
Forschungsinteressen: Grundeinkommen/Guaranteed Livable Income (GLI), ökologische Ethik, verteilende Gerechtigkeit, sovereign wealth funds (SWFs), garantiertes Minimal-Einkommen (guaranteed minimum income), und Mincome Experimente (Manitoba, Kanada).

Lebt in Ontario, Kanada.

FRIBIS Team Koordinatorin

Lida Kuang
studierte Wirtschaftswissenschaften in Freiburg und Finance in Mailand. Ihre Forschung konzentriert sich derzeit auf das Experiment von UBI als Gesellschaftsvertrag im Labor, um die gesellschaftlich akzeptablen Bedingungen und Regeln für eine Grundeinkommensgesellschaft und die Weiterentwicklung des Ordoliberalismus zu erforschen.

Lebt in Freiburg i.Br., Deutschland.

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Transfer Team (im Aufbau)