Partizipation und Bedingungsloses Grundeinkommen (PBGE)

Politische Partizipation setzt ein gewisses Maß an Zeitsouveränität voraus. Ein altes Argument gegen die direkte Demokratie lautet, dass die repräsentative Demokratie schon insofern unumgänglich sei, als der Bevölkerung die zeitliche Kapazität zur politischen Partizipation fehle. Da die Meisten vorrangig einer Erwerbstätigkeit nachzugehen hätten, verfügten sie nicht über die nötige Muße, um sich anstelle von Abgeordneten selbst mit politischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und aktiv an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen. Durch die Einführung eines existenzsichernden BGE büßte dieses Argument stark an Plausibilität ein. Denn ein Zwang zur Erwerbstätigkeit, wie er heute für viele Menschen lebensbestimmend ist, würde dadurch abgebaut werden. Den Bürgerinnen und Bürgern wäre so ein Freiraum eröffnet, sich aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen, Volksabstimmungen zu initiieren und politische Innovationen in die Wege zu leiten.

Demokratie spricht jeder Person im wahlberechtigten Alter das Recht zu, selbständig, gewissenhaft und im Interesse aller über die Geschicke des Gemeinwesens mitentscheiden zu können. Die Einführung eines existenzsichernden BGE wiederum würde es den Menschen verstärkt erlauben, genau diese Entscheidungsmöglichkeit als eigenen Lebensentwurf zu ergreifen und sich politisch zu betätigen. Bildet das BGE also die Konsequenz eines zeitgemäßen Demokratieverständnisses? Ermöglicht es geradezu eine partizipative und inklusive demokratische Praxis? Und können Partizipation und BGE wechselseitig dazu dienen, die Menschen politisch zu ermündigen?

Das aus Wissenschaftlern aus dem Bereich der politischen Philosophie/Kulturphilosophie und aus politischen AktivistInnen bestehende PBGE-Team geht diesen und weiteren Fragen nach. Es leistet umfassende Forschungen zum Verhältnis von Partizipation und BGE, arbeitet seine ideengeschichtlichen Hintergründe sowie diskursiven Zusammenhänge auf und bemüht sich zugleich um konkrete Auswege aus der Krise der repräsentativen Demokratie. Die erarbeiteten Resultate des PBGE-Teams werden in regelmäßig stattfindenden Workshops bzw. Konferenzen zur Diskussion gestellt und in darauf basierenden Publikationen festgehalten. In engem Austausch mit dem Transfer Team entwickelt das Research Team eine zeitgemäße philosophische Konzeption partizipativer Demokratie und analysiert das BGE insbesondere im systematischen Horizont einer Kulturphilosophie der Möglichkeiten als Instrument zur Ermöglichung politischer Teilhabe. Den Forschungskern der ersten Projektphase bildet die Dissertation des wissenschaftlichen Mitarbeiters Leon Hartmann mit dem Arbeitstitel „Zukünfte der Demokratie. Zum Verhältnis von Partizipation und BGE – Theoriegeschichte und Diskurstheorie“.

Research Team

PD Dr. Sebastian Kaufmann
Heidelberger Akademie der Wissenschaften Forschungsstelle “Nietzsche-Kommentar
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Lebt in Freiburg im Breisgau

Prof. Dr. Andreas Urs Sommer
W-3-Professur für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie / Akademie-Professur in Kooperation mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Philosophisches Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Lebt in Freiburg im Breisgau

Transfer Team

Susanne Wiest
Petition für das Bedingungslose Grundeinkommen, 2020 (Gemeinsam mit Prof. B. Neumärker, Modell NGE) und 2008;
«Grundeinkommen ist machbar»
«Wir machen Demokratie»
Lebt in Alt Tellin

Assoziierte Mitglieder

PD Dr. Robert Krause
Akademischer Mitarbeiter am Deutschen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Privatdozent für neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft
Lebt in Freiburg im Breisgau

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