Universal Basic Income and Gender (UBIG)

Feministische ökonomische und politische Gedanken von der Basis der Gesellschaft und ihre Relevanz und ihr Potenzial für einen neuen Gesellschaftsvertrag mit besonderem Fokus auf das bedingungslose Grundeinkommen (BGE).
Erstens wollen wir die Stimme der Frauen zum Thema Bedingungslosen Grundeinkommen sichtbar machen. Zweitens möchten wir das “basisdemokratische feministische ökonomische und politische Denken” aus den Aussagen jener Frauen rekonstruieren, die ihre Stimme zum Thema BGE erhoben haben. Drittens möchten wir, basierend auf den Ergebnissen der beiden oben genannten Forschungen, ihre Relevanz für einen möglichen neuen Gesellschaftsvertrag für eine echte Gleichstellung der Geschlechter aufzeigen. Hierzu hier eine Zusammenfassung der geplanten Forschungsarbeit zum Thema von Toru Yamamori.

Die erste Stufe der Forschung: Ein Manifest und Präsentationen, die auf den bereits laufenden Recherchen basieren und in Kürze beginnen werden.
Toru Yamamoris fortlaufende Forschung hat die völlig vergessene Tatsache aufgedeckt, dass das BGE eine der offiziell und demokratisch beschlossenen Forderungen der britischen Frauenbefreiungsbewegung in den 1970er Jahren war. Basierend auf den Aussagen dieser Frauen schreibt Yamamori derzeit eine Abhandlung über ‘Grassroots Feminist Economic Thought’. Die Vorschau auf diese Abhandlung wurde kürzlich von der ‘History of Economic Thought Diversity Caucus Online Conference’ angenommen.
Chloe Halpenny, Kaori Katada und Toru Yamamori werden Aussagen zum ökonomischen Denken aus jeweils eigenen, auf Interviews basierenden Forschungen zusammentragen, und Liz Fouksman wird zusätzliche Daten aus ihrer ethnographischen Arbeit beisteuern. Halpenny hat die Interviews von Frauen durchgeführt, die an dem Ontario UBI Experiment teilgenommen haben. Fouksman hat Interviews mit Frauen geführt, die in Südafrika arbeitslos sind. Katada wird ihr mündlich-historisches Projekt über Frauen beginnen, die an der Bewegung der Anspruchsteller (Anspruchsberechtigung von Frauen im Wohlfahrtsstaat) in Japan beteiligt waren.

Die zweite Phase der Forschung: Gemeinsame Rekonstruktion und Artikulation des feministischen, ökonomischen und politischen Denkens von der Basis der Gesellschaft aus.
In dieser Phase analysieren und diskutieren wir gemeinsam die Ergebnisse der oben genannten Forschungsschwerpunkten im Hinblick auf Überschneidungen, Widersprüche etc.. Die wertvollen Erfahrungen von Barb Jacobson und Renana Jhabvala aus relevanten sozialen Bewegungen, an denen sie beteiligt sind und die zum Teil von ihnen initiiert wurden, werden eine Anleitung für diese Phase sein.

Die dritte Stufe der Forschung: die Verortung der obigen Arbeit in den akademischen Disziplinen.
Toru Yamamori wird eine theoretische Arbeit darüber durchführen, wie die Arbeitsergebnisse aus den Oben genannten Forschungsfeldern in der akademischen Disziplin der Geschichte des wirtschaftlichen Denkens verortet werden können. Almaz Zelleke wird eine theoretische Arbeit darüber durchführen, wie die Ergebnisse aus den obigen Themen in der akademischen Disziplin der politischen Theorie verortet werden kann. Liz Fouksman wird eine theoretische Arbeit durchführen zur Verortung dieser Studie in der breiteren Disziplin der ökonomischen Anthropologie, in feministischen Wertvorstellungen und im Rahmen der moralischen Ökonomie und sozialen Reproduktionstheorie.

Die vierte Forschungsetappe: Auswertung und Darstellung des Wesens der Arbeit und der Zusammenarbeit von Frauen, der Sichtweise auf Arbeit und Wirtschaft von Frauen – im Gegensatz zur männlichen Natur und Sichtweise – aus den Erfahrungen von SEWA (Self Employed Women’s Association, 1,8 Millionen Mitgliederinnen ) und dem Grundeinkommenspilotprojekt für Frauen in Neu-Delhi und dem BGE-Pilotprojekt in Madhya Pradesh .
SEWA und die Grundeinkommens-Projekte in Indien bieten ein reichhaltiges und noch weitgehend ungenutztes Erfahrungsmaterial darüber, wie sich die Arbeit von Frauen, ihr Verständnis von Arbeit und Wirtschaft, ihre Art der Zusammenarbeit und des Miteinanders, von der der Männer unterscheidet.
Als Vergleich und Ergänzung dienen hier auch die Daten aus Kanada von Cloe Halpenny und aus der Studie zu Großbritannien von Barb Jacobson und Toru Yamamori. Als kritischer und erweiternder Beitrag dazu dienen ebenfalls die bereits von Liz Fouksman durchgeführten Forschungen zu Arbeit und Frauen in Südafrika.
Renana Jhabvala organisiert den Zugang für die Erforschung der Erfahrungen von SEWA- und Pilotprojektteilnehmerinnen. Untersucht wird, welche Art von Arbeit – einschließlich Sorgearbeit – speziell Frauen leisten, wie und mit welchem Verständnis von Arbeit sie sie leisten, und wie sich das bedingungslose Grundeinkommen auf diese Arbeit auswirkt.

Einführung eines Grundeinkommens verbunden mit der Schaffung eines neuen Gesellschaftsvertrages aus Sicht der Frauen und für das Notwendige für Frauen.
Unter Einbeziehung der Forschungsergebnisse aus den vorgenannten Projekten des Teams soll ein Gesellschaftsvertrag mit einer Gesetzgebung entworfen werden, die die notwendigen Faktoren für eine echte Geschlechtergerechtigkeit unter Einbezug des BGE gestaltet. Dieser Teil des Projekts wird von Almaz Zelleke geleitet. Dies kann sich auf eine Gemeinde z.B. in den USA beziehen und die Bewegung ‘Mayors for UBI’ einbeziehen. Hier geht es darum, einmal in Gänze einen Gesellschaftsvertragsentwurf zu präsentieren, der die Gleichstellung der Frauen – oder wie auch immer man es nennen mag, was notwendig ist – mit dem BGE als Grundlage hat.

Research Team

Dr. Liz Fouksman
Elizaveta Fouksman ist Dozentin (Assistenzprofessorin) für soziale Gerechtigkeit am Centre for Public Policy Research am King’s College London. Sie ist außerdem wissenschaftliche Mitarbeiterin an der University of Oxford und an der University of the Witwatersrand.
Sie hat einen Dr. Phil. in Internationaler Entwicklung von der Universität Oxford (wo sie ein Rhodes Scholar war) und hatte Forschungsstipendien des Leverhulme Trust, des Berggruen Institute und der Ford Foundation an (jeweils) der Universität Oxford, der Harvard University und der University of the Witwatersrand.
Im Besonderen konzentriert sie sich auf die Art und Weise, wie Langzeitarbeitslose in Ländern mit hoher Ungleichheit und Arbeitslosigkeit über die Verbindungen zwischen Zeitnutzung, Arbeit und Einkommen denken. Ein Großteil ihrer Feldforschung in Südafrika und Namibia beschäftigt sich mit der Frage, wie solche Verbindungen sowohl Vorschläge zur Ausweitung des Sozialschutzes durch Mittel wie bedingungslose Geldtransfers als auch radikalere Forderungen nach der Dekommodifizierung von Arbeit durch Mechanismen wie eine universelle Grundeinkommensgarantie und/oder kürzere Erwerbs-Arbeitszeiten herausfordern.
Liz hat populäre Presseartikel für OpenDemocracy, The Conversation und das Global Labour Journal, geschrieben.
Lebt in Oxford, Großbritannien

Chloe Halpenny
Chloe ist Sozialpolitikforscherin bei der Social Research and Demonstration Corporation und Verfechterin des Grundeinkommens in Ottawa, Ontario,Kanada. Ihre Master-Arbeit an der University of Cambridge, “Basic Income: A Feminist Proposal? Informing feminist analyses through the lived experience of Ontario Basic Income Pilot participants”, konzentrierte sich auf die Erfahrungen der Teilnehmerinnen des Ontario Basic Income Pilot project, das zwischen 2018 und 2019 in drei Gemeinden in Ontario lief. Ihre Forschung umfasste eine kritische feministische Analyse des Grundeinkommens und stützte sich auf originale qualitative Interviewdaten mit 26 Teilnehmerinnen des Pilotprojekts. Chloe ist Mitbegründerin und Mitvorsitzende des Basic Income Canadian Youth Network und Youth Liaison für das Ontario Basic Income Network.
Chloe Halpenny: “Youth Voices are Needed in the Basic Income Debate.”
“Alle kanadischen Jugendlichen verdienen eine Zukunft”, ein Gespräch mit Chloe Halpenny über ein garantiertes lebenswertes Einkommen
Lebt in Ottawa, Kanada

Prof. Dr. Kaori Katada
Außerordentliche Professorin an der Hosei-Universität in Tokio, Department of Social and Political Sciences
Kaori Katada hat sich seit vielen Jahren auf Gender und BGE spezialisiert.
Artikel von ihr über das BGE erschienen im Center for Gender Studies
Lebt in Tokio, Japan

Prof. Dr. Toru Yamamori
Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Doshisha Universität, Kyoto, Japan.
Toru Yamamori hat an den philosophischen Grundlagen der feministischen Ökonomie und an der mündlichen Geschichte der Frauenbefreiungsbewegung der Arbeiterklasse gearbeitet, die in den 1970er Jahren in Großbritannien das bedingungslose Grundeinkommen forderte. Ersteres wurde mit der Verleihung des 2017 K. W. Kapp-Preises der European Association for Evolutionary Political Economy gewürdigt, der Auszeichnung der zweitgrößten Vereinigung für Ökonomen in Europa. Letztere wurde 2014 mit dem Preis für den besten Aufsatz der Grundeinkommensstudien ausgezeichnet.
Video Interview mit Toru Yamamori auf dem BIEN Congress 2014 in Montreal.
Toru ist der leitende akademische Forschungsredakteur von BIEN (Basic Income Earth Network).
Lebt in Kyoto, Japan

Prof. Dr. Almaz Zelleke
Ph.D. in Politikwissenschaft von der Harvard University und einen A.B. in Politik von der Princeton University,
Professorin für Praxis der Politikwissenschaft an der New York University Shanghai.
Almaz Zelleke lehrt zudem an der Harvard University und der New York School. Sie ist spezialisiert auf BGE, einschließlich Gender, engagiert sich im BIEN und NABIG und hat zu UBI-Themen veröffentlicht.
Lebt in NYC, USA

Transfer Team

Barb Jacobson
Ehemalige Leiterin des European Basic Income Network, Leiterin von BIEN UK, beteiligt an der Entscheidung der Labor Party in Großbritannien, das Grundeinkommen ins Parteiprogramm aufzunehmen, Zusammenarbeit mit David Graeber, Spezialisierung auf BGE und Gender neben anderen Themen.
Leiterin der BIEN News | Newsletter.
Lebt in London, Großbritannien

Renana Jhabvala
Renana war die Führungspersönlichkeit in der SEWA, einer Gewerkschaft mit 1,8 Millionen weiblichen Mitgliedern, und ist jetzt die Präsidentin von SEWA Bharat, der gesamtindischen Organisation innerhalb der SEWA-Familie, und sie ist Mitinitiatorin der BGE-Projekte für Frauen in Delhi und 2013 in Madhya Pradesh, dem großen und bekannten Grundeinkommens-Projekt in mehreren Dörfern Indiens. An dem Projekt in Madhya Pradesh waren auch Guy Standing (Mitbegründer des BIEN) und Sarath Davala (Erster Vorsitzender des BIEN) beteiligt.
Lebt in Ahmedabad, Indien

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