Vortrag von Bernhard Neumärker zum Netto-Grundeinkommen an der Uni Gießen

Der Suche nach „Lösungsansätzen für eine gerechtere Wirtschaftsordnung“ widmete sich die Ringvorlesung des Präsidenten an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Wintersemester 2021/22. Die Vorlesungsreihe stand unter dem Titel „Wirtschaft neu denken – Die Grenzen von Markt und Wachstum“. Zentral war vor allem die Frage, wie wir in Zukunft ein gerechteres und nachhaltigeres Wirtschaftssystem schaffen können.

Angesichts dieses Themas verwundert es nicht, dass auch Prof. Bernhard Neumärker zu den eingeladenen Rednerinnen und Rednern gehöre. Als Vertreter eines Neuen Ordoliberalismus und des Konzepts der Sozialen Nachhaltigkeit beschäftigt sich Prof. Bernhard Neumärker seit vielen Jahren mit der Möglichkeit, den bestehenden Sozialstaat zu reformieren. Im Gießener Vortrag sprach er über „Das Netto-Grundeinkommen: Ein Krisengrundeinkommenskonzept als Einstieg in eine resiliente Governance- und Sozialstaatsreform“.

Die Corona-Pandemie hat die bereits zuvor vorhandenen wirtschaftlichen und sozialen Probleme verschärft. Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus haben zu massiven Verdienstausfällen geführt, und zusätzlich zur Gesundheitskrise wurden viele Menschen auch in eine finanzielle Krise gestürzt. Genau hier setzt Prof. Neumärkers Konzept eines Nettogrundeinkommens als Krisengrundeinkommen an. Als Einstiegsmodell in eine resiliente Governance- und Sozialstaatsreform bietet es langfristig die Möglichkeit, Schritt für Schritt in ein vollwertiges Grundeinkommen überführt zu werden.

Klicken Sie hier, um den Vortrag zu sehen und mehr zu erfahren.

CfP – Sammelband: Partizipation und Grundeinkommen – ‚Narrative’ der Zukunft

Die These, dass ein Grundeinkommen sich positiv auf die partizipatorischen Möglichkeiten der Menschen auswirken würde, ist schon seit einigen Jahren wiederholt politisch postuliert und wissenschaftlich diskutiert worden. Christian Greis verfolgt die wissenschaftliche Debatte in seiner 2021 erschienenen soziologischen Monographie „Zur Zukunft eines Bedingungslosen Grundeinkommens“ zurück bis zu Ralf Dahrendorfs Überlegungen zu einem „garantierten Mindesteinkommen“ von 1986. Auf dem Gebiet der politisch engagierten Kunst(theorie) lässt sich die Engführung von Grundeinkommen und direkter Demokratie bis in die 1970er Jahre zurückverfolgen. Gegenüber der Betrachtung des BGE unter dem Gesichtspunkt des Partizipationsbegriffs stellt die Konzeptualisierung und Erforschung des BGE als ökonomischpolitisches ‚Narrativ‘ ein noch rezenteres Phänomen dar. Dieses ist im weiteren Gesichtskreis einer bemerkenswerten allgemeinen Konjunktur des Narrativbegriffs in der westlichen
Gegenwartskultur zu sehen: In verschiedenen kulturellen Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist seit der Jahrtausendwende zunehmend von ‚Narrativen‘ die Rede. Damit sind zumeist Zukunftserzählungen gemeint, die von Krisenszenarien ausgehen, aus denen sich konkrete Handlungsanweisungen für die Gegenwart ableiten lassen (sollen). Die Konstellation, die zwischen dem Grundeinkommen, der (politischen) Partizipation und Zukunfts-‚Narrativen‘ besteht, soll im geplanten Sammelband erstmals umfassend sowohl aus einer wissenschaftlichen als auch aus einer aktivistischen Perspektive untersucht werden. Aber auch die Geschichte und die Verbindundung dieser Konzepte zu anderen Feldern soll darin in den Blick genommen werden. Der Band wird innerhalb der Reihe des Freiburg Institute of Basic Income Studies (FRIBIS) veröffentlicht. Es sind ebenfalls Beiträge zu einzelnen Verbindungen oder Elementen dieser Konstellation sowie zur Geschichte oder möglichen Zukunft dieser Konzepte möglich.

Verlängerte Deadline für die Einsendung der Abstracts (max. 300 Wörter): 31. Mai 2022 – an
leon.hartmann@philosophie.uni-freiburg.de

Weitere Info und Kontakt / Further info and contact:
Leon Hartmann, M.A. – leon.hartmann@philosophie.uni-freiburg.de
FRIBIS Team Participation & UBI

UBIE Athens Academy vom 31. März bis zum 03. April 2022 gefördert durch das FRIBIS

Die UBIE Athens Academy findet von Donnerstag, 31. März bis Sonntag, 3. April 2022 statt. Das erklärte Ziel ist es, Wissen zu teilen, Kampagnen zu entwickeln und die Vernetzung rund um das Grundeinkommen in Europa zu fördern.

An vier Tagen werden Seminare, Workshops und Debatten zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen angeboten. Das Event wird von UBIE in Zusammenarbeit mit der Panteion Universität in Athen (älteste Universität für Sozial- und Politikwissenschaften in Griechenland) und der Europäischen Bürgerinitiative für das Bedingungslose Grundeinkommen in Griechenland ausgerichtet. Finanziell unterstützt wird die UBI Athens Academy vom Freiburger Institut for Basic Income Studies (FRIBIS). Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Es handelt sich um eine Live-Veranstaltung. Wer lediglich die abendlichen Debatten vor Ort oder per Stream verfolgen möchten, braucht sich nicht im Voraus anzumelden. Über die UBIE Event-Seite bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand.

Als Assoziierte des FRIBIS tragen Claudia Cornelsen (Team Sanktionsfrei), Julio Linares (Team NetFi) und Joy Ponader (Team Expedition Grundeinkommen) zu Diskussionen und Workshops bei.

Nach der langen Zeit der Online-Events während der Pandemie wünschen wir allen Teilnehmenden in Athen viel Freude an den persönlichen Begegnungen!

Auf Otto Lehtos Spuren: Ein Gastwissenschaftler spricht über seine Zeit am FRIBIS

Im November und Dezember 2021 hat der Philosoph und Politökonom Otto Lehto das FRIBIS als Gastwissenschaftler besucht. Wir wollten von ihm wissen, wo die Grundeinkommensforschung aus seiner Sicht heute steht, welchen Nutzen er aus seiner Zeit am FRIBIS ziehen konnte und welche Forschungsthemen ihn in Zukunft beschäftigen werden.

Wo steht die Grundeinkommensforschung heute?

„Die Grundeinkommensforschung hat sich zu einem vielfältigen, interdisziplinären Feld entwickelt. Mehr Menschen als je zuvor betreiben heute qualitativ und quantitativ erstklassige Wissenschaft. Es gibt starke Bemühungen, ökonomische, philosophische und politische Überlegungen miteinander in Einklang zu bringen. Das Thema BGE zieht allerdings weniger diejenigen an, die kritisch oder neutral eingestellt sind, sondern vor allem Befürworterinnen und Befürworter. Es ist daher wichtig, sich nicht von eigenen Wünschen und Zielen blenden zu lassen. Wir konzentrieren uns auch zu sehr auf kurzlebige experimentelle Studien (RCTs) und politische Gestaltungsansätze, die sich an Einzelfällen orientieren. Meiner Meinung nach verhindert das eher, dass ein BGE im Rahmen einer langfristigen institutionellen Reform der grundlegenden Menschenrechte tatsächlich eingeführt wird.“

Was hat Dir der Aufenthalt am FRIBIS gebracht?

„Zunächst einmal ist Freiburg eine wunderschöne Stadt. Davon abgesehen habe ich meine Zeit am FRIBIS vor allem aus drei Gründen sehr genossen: Erstens hatte ich die Gelegenheit, zum Ordoliberalismus in seiner Geburtsstadt zu forschen. Zweitens konnte ich mit vielen interessanten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am FRIBIS zusammenzuarbeiten und eine Reihe intensiver Gespräche mit Enno Schmidt führen. Drittens verdanke ich der gemeinsamen Leidenschaft von Prof. Neumärker und mir für James M. Buchanan, dass ich einen Workshop über verfassungsrechtliche Ansätze zum Bedingungslosen Grundeinkommen geben durfte, der hoffentlich weitere theoretische und empirische Forschungen zum verfassungsrechtlichen Status des BGE anregen wird.“

Worauf wird sich Deine Arbeit zum BGE in Zukunft konzentrieren?

„Meine zukünftige Arbeit zum BGE hat drei Schwerpunkte: 1. Die Untersuchung der Verbindungen zwischen BGE, sozialem Wandel und der „genehmigungsfreien Innovation“ („Permissionless Innovation“), mit anderen Worten: der Fähigkeit von (armen) Menschen, zu experimentieren und ausgehend von einem Bottom-up-Ansatz Innovationen zu entwickeln, die zu Veränderung und sozialem Wohlstand beitragen. 2. Die Erforschung von Grundeinkommensmodellen innerhalb der verschiedenen Schulen des Liberalismus (Freiburg, Virginia, Chicago und Wien). 3. Die Untersuchung der verfassungstheoretischen und politischen Herausforderungen, die sich bei der Implementierung und Aufrechterhaltung von Grundeinkommensmodellen stellen, um institutionelle Stabilität in einer komplexen demokratischen Gesellschaft zu erreichen und zu erhalten.“

Otto Lehto im Gespräch mit Enno Schmidt: (Ordo-)Liberalismus und Grundeinkommen

Im Interview mit Enno Schmidt spricht Otto Lehto über die theoretischen Ursprünge und Grundlagen des Liberalismus, die Freiburger Tradition des Ordoliberalismus und die Frage, inwiefern aus heutiger Sicht ein BGE mit einem liberalen Staatsverständnis in Einklang zu bringen ist.

Workshop: Eine verfassungstheoretische und kontraktualistische Perspektive auf das BGE

Im September 2021 hat Otto Lehto für die Mitglieder der Nachwuchsforschungsgruppe des FRIBIS einen Workshop veranstaltet, in dem er das BGE aus verfassungsrechtlicher und vertragstheoretischer Perspektive in den Blick nimmt. Ausschnitte des Workshops sind nun auf dem YouTube-Kanal des FRIBIS zu sehen. Im ersten Teil des Videos spricht Otto Lehto über die Bedeutung des verfassungs- bzw. vertragstheoretischen Ansatzes für den Grundeinkommensdiskurs. Im zweiten Teil stellt er am Beispiel von James M. Buchanans verfassungsrechtlichem BGE-Modell eine verfassungstheoretische, politisch-ökonomische Perspektive auf das Grundeinkommen vor.

Wir, die Mitglieder des FRIBIS, bedanken uns bei Otto Lehto nicht nur für seine Mitarbeit am Institut, von der wir viel gelernt und haben, sondern auch für die schöne Zeit, die wir mit ihm verbringen konnten. Wir wünschen ihm viel Erfolg auf seinem weiteren akademischen Weg und freuen uns darauf, ihn hoffentlich bald wieder in Freiburg als Gast begrüßen zu dürfen.

dm-Gründer und FRIBIS-Förderer Götz Werner verstorben

dm-Gründer und FRIBIS-Förderer Götz Werner verstorben

Am 8. Februar 2022 ist Götz Werner im Alter von 78 Jahren verstorben. Er stiftete nicht nur gemeinsam mit seiner Frau Beatrice die Götz Werner Professur, sondern rief auch die dm-Werner-Stiftung ins Leben, die die Arbeit des FRIBIS ermöglicht.

Gegen Ende seines Lebens konzentrierten sich Götz Werners Bemühungen um das Bedingungslose Grundeinkommen vermehrt darauf, die wissenschaftliche Forschung zum BGE zu fördern. Mit Unterstützung des Rektorats wurde an der Universität Freiburg zu diesem Zweck die Götz Werner Professur für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie eingerichtet, die von Prof. Dr. Bernhard Neumärker bekleidet wird. Darüber hinaus wurde das FRIBIS gegründet, das sich der Zusammenarbeit von akademischer Forschung und zivilgesellschaftlichem Aktivismus widmet.

Prof. Bernhard Neumärker über sein erstes Treffen mit Götz Werner, die
GWP und FRIBIS:

„Götz Werner kam nach einem Vortrag auf mich zu, den ich 2018 über das Bedingungslose Grundeinkommen aus der Perspektive des Neuen Ordoliberalismus gehalten habe. Damals war nicht absehbar, welch unfassbare Impuls- und Sogkraft seine Förderideen entwickeln würden.

Zuerst wurde mit tatkräftiger Unterstützung des Rektorats die Götz Werner Professur für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie eingerichtet. Im Anschluss wurde in einem energiegeladenen Gespräch mit Götz Werner und dem damaligen Rektor Hans-Jochen Schiewer der Aufbau und die großzügige Förderung des Freiburg Institute for Basic Income Studies beschlossen. Entstanden ist auf diesem Weg ein interdisziplinäres wissenschaftliches Institut, das die zivilgesellschaftlichen Akteure rund um das Grundeinkommen direkt mit einbezieht. Dank seines unermüdlichen und innovativen Einsatzes hat Götz Werner eine Lebensleistung vollbracht, von der wir im Institut und der Professur erheblich profitieren und fortwährend lernen.

Ganz persönlich bin ich Götz Werner dankbar, dass er in der ordnungspolitischen Tradition der Freiburger Universität den Kern der Grundeinkommenserforschung gesehen hat. Ich empfinde es als unsere Aufgabe, die wissenschaftliche Forschung und gesellschaftliche Gestaltung rund um das Bedingungslose Grundeinkommen erfolgreich fortzuführen, und auf diese Weise Götz Werner zu gedenken.“

Götz Werners Verständnis des Bedingungslosen Grundeinkommens

Götz Werners unermüdlicher Einsatz für das Bedingungslose Grundeinkommen und seine unternehmerische Tätigkeit gingen Hand in Hand. Seine besondere Art der Unternehmensführung wurde vielfach ausgezeichnet. Als „Der gute Riese“ betitelte ihn die TAZ. Worte und Taten, Ideale und Lebenspraxis standen bei ihm nicht in Widerspruch: Was er über sein Menschenbild, über die Aufgabe von Unternehmen und das Wesen von Wirtschaft sagte, das war in der „Arbeitsgemeinschaft“ dm bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lebendig und konnte von Kundinnen und Kunden täglich erfahren werden.

Für Götz Werner war ein Unternehmen „eine sozial-künstlerische Kulturveranstaltung“. Einen Unterschied zwischen Freizeit und Arbeitszeit zu machen, erschien ihm abwegig; denn Arbeitszeit war für ihn gleichbedeutend mit Lebenszeit, die nicht zur Ware gemacht werden dürfe. Das Ziel des Menschen sei „Freiheitsgenerierung“, und der Mensch sei „niemals Mittel, sondern Zweck“. Diese Einsichten basierten auf seiner eigenen unternehmerischen Praxis und führten für ihn folgerichtig zur Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens.

In seinen letzten Lebensjahren äußerte er den Wunsch, dass „meine Ideen als Unternehmer und Verfechter des Bedingungslosen Grundeinkommens fortwirken und zu einer lebenswerten Welt beitragen.“ Mit der Gründung der Götz Werner Professur und des FRIBIS hat er die besten Voraussetzungen dafür geschaffen, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Ethics of UBI: Online-Veranstaltungen mit internationalen Gastvortragenden am 2. und 9. Februar 2022

Der GWP-Gastprofessor Karl Widerquist hat im Rahmen seines Seminars „Ethics of UBI“ am 2. und 9. Februar 2022 hochkarätige Gäste eingeladen, die jeweils in englischer Sprache Vorträge halten werden. Die Veranstaltungen sind öffentlich und werden auf YouTube live gestreamt.

2. Februar 2022, 16:00-18:00 Uhr:
16:00-17:00 Uhr – Guy Standing: A Commons-Based Argument for Basic Income
17:00-18:00 Uhr – Alexander Gourevitch: The basic income illusion
Livestream link: https://youtu.be/2Lk9lMQwTCc

Guy Standing ist Ökonom, assoziierter wissenschaftlicher Mitarbeiter an der SOAS University of London (GB) und einer der einflussreichsten Vertreter der weltweiten Grundeinkommensbewegung. Er wird über die ethische Bedeutung der Privatisierung gemeinsamer Ressourcen und die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens sprechen.

Alex Gourevitch ist außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Brown University (USA). Er wird der Frage nachgehen, ob wir das BGE als Mittel verstehen sollten, die Menschen vom Arbeitszwang zu befreien.

9. Februar 2022, 16:00-18:00 Uhr:
16:00-17:00 Uhr – Louise Haagh: Developmental Freedom and Social Order
17:00-18:00 Uhr – Otto Lehto: Libertarian perspectives on Basic Income
Livestream link: https://youtu.be/2SphVrI3QDQ

Louise Haagh ist Professorin für Politik an der University of York (GB) und ehemalige Vorsitzende des Basic Income Earth Network (BIEN). Sie wird die These vertreten, dass der Einfluss des atomistischen Verständnisses des Menschen auf das liberal-egalitäre Denken dazu geführt habe, dass individuelle Freiheit und soziale Gemeinschaft unambitioniert, ungenau und manchmal auf Zwang basierend dargestellt werden.

Otto Lehto ist ehemaliger Gastwissenschaftler an der Götz-Werner-Professur der Universität Freiburg und forscht derzeit als Postdoktorand an der School of Law der New York University (2022-2023). Er wird das breite Spektrum der „libertären“ Argumente für (und wider) das BGE diskutieren.

Karl Widerquist ist Gastprofessor an der Götz Werner Professur in der ersten Jahreshälfte 2022

Das FRIBIS freut sich, dass die Götz Werner Professur (GWP) dieses Jahr den international renommierten Philosophen und Ökonomen Karl Widerquist als Gastprofessor empfangen wird. Prof. Widerquist hat sich als Grundeinkommensforscher und -befürworter nicht nur innerhalb der akademischen Welt einen Namen gemacht, sondern trägt das Thema Grundeinkommen seit vielen Jahren in die breite Öffentlichkeit. Umso schöner ist es, dass wir Karl Widerquist bald in Freiburg willkommen heißen dürfen.

Wir haben Karl Widerquist gefragt, was er sich von seiner Zeit in Freiburg auf privater und wissenschaftlicher Ebene erhofft:

„In akademischer Hinsicht freue ich darauf, im Rahmen meines Freiburger Aufenthalts Kollegen aus der BGE-Bewegung und aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu treffen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Ebenso freue ich mich darauf, zwei auf meiner Forschung basierende Vorlesungen für Doktoranden zu halten, die an Politik, Philosophie und dem BGE interessiert sind. Schön ist außerdem, dass ich viel Freiraum haben werde, an meinen neuesten Forschungen und Texten zu arbeiten. Und wenn es zeitlich möglich sein wird, freue ich mich darauf, an Konferenzen teilzunehmen und andere Kollegen und BGE-Projekte in Deutschland und Mitteleuropa zu besuchen.

Auf privater Ebene bin ich immer daran interessiert, neue Leute kennenzulernen und neue Orte zu besuchen. Meine Wohnung wird in der Nähe des Schwarzwalds gelegen sein und ist nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Ich freue mich also darauf, beides zu erkunden. Wenn die Omikron-Welle vorüber ist, möchte ich mit dem Zug in die nahe gelegenen Teile der Schweiz und Frankreichs fahren und die Region erkunden.“

Welche (schriftlichen) wissenschaftlichen Projekte stehen während des Aufenthalts im Zentrum?

„Im Moment arbeite ich hauptsächlich an drei Projekten: (1) Universal Basic Income: Essential Knowledge ist eine kurze Einführung in das Thema Grundeinkommen für die Reihe Essential Knowledge der MIT University Press. Ich habe noch nie ein Einführungsbuch geschrieben und ich lerne gerade, wie schwer das ist. Nachdem ich 40 Jahre lang über das Grundeinkommen gelesen und 25 Jahre lang darüber geschrieben habe, lässt sich nicht leicht sagen, welche Teile meines Wissens wesentlich sind.

(2) Das Buch Property and the Power to Say No: Five Arguments for Universal Basic Income (Eigentum und die Macht, Nein zu sagen: Fünf Argumente für ein universelles Grundeinkommen) stellt eine Aktualisierung meiner Dissertation dar, die damit erstmals als Gesamtwerk veröffentlicht wird. Ich habe zwar schon einzelne Kapitel als Artikel veröffentlicht und einen Teil der Dissertation zu einem eigenständigen Buch erweitert, aber erst mit dieser Publikation werde ich meine Dissertation als einheitliches Gesamtwerk veröffentlichen. Das Buch wird Kapitel enthalten, die noch nie zuvor veröffentlicht wurden und deren Sinn im Gesamtzusammenhang der Dissertation am deutlichsten wird.

(3) Georg Arndt und ich überarbeiten gerade unser Paper The Cost of Basic Income in the United Kingdom. Wir arbeiten schon eine ganze Weile daran, sodass es großartig sein wird, es endlich zu veröffentlichen.“

Karl Widerquist im Video-Interview

Wer sich ein Bild von Karl Widerquist und seinen Positionen zum Grundeinkommen machen möchte, findet bereits jetzt auf dem YouTube-Kanal des FRIBIS ein Interview, das Enno Schmidt Ende 2021 mit ihm geführt hat. Darin spricht Karl Widerquist über die Vor- und Nachteile von BGE-Testprojekten, den möglichen Einfluss eines BGE auf die Reallöhne, die BGE-Finanzierung über (Ressourcen-)Steuern, den Alaska Permanent Fund, die Entwicklung der BGE-Debatte in den letzten vier Jahrzehnten und die Frage, inwieweit in einigen der reichen Ölstaaten des Persischen Golfs bereits eine Art UBI existiert.

Minijobs müssen auf dem Weg zum Grundeinkommen nicht abgeschafft werden

Müssen Minijobs als Voraussetzung für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens abgeschafft werden? Der Ökonom Prof. Dr. Alexander Spermann – im WiSe 2020/21 als Gastprofessor an der GWP – beantwortet diese Frage mit einem klaren „Nein“. Bereits am 4. Dezember 2021 hatte sich Alexander Spermann mit einem Gastkommentar in der FAZ dazu geäußert, welche Rolle Minijobs im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zukommen. Im vorliegenden FRIBIS Policy Paper stellt er nun den Bezug zum Thema Grundeinkommen her. Entscheidend sei, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen attraktive Transferentzugsraten benötige, damit sich Mehrarbeit lohne.

Lesen Sie hierzu mehr im aktuellen FRIBIS Policy Paper.

Mehr über Prof. Dr. Alexander Spermann
Prof. Spermann lehrt Volkswirtschaftslehre an der FOM Hochschule für Erwerbstätige in Köln und an der Universität Freiburg. Auf seinem YouTube-Kanal stellt Prof. Spermann kostenlos Erklärvideos für volkswirtschaftlich interessierte Menschen bereit – sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Wer mehr über Prof. Spermann Zugang zum Thema BGE erfahren möchte, kann auf dem FRIBIS-YouTube-Kanal seinen Vortrag über das Sozialstaats-Modell des Basisgelds anschauen.

Unser Partner Expedition Grundeinkommen gewinnt den Deutschen Engagementpreis 2021

Am 2. Dezember 2021 hat die Expedition Grundeinkommen den diesjährigen Deutschen Engagementpreis verliehen bekommen. Unter wissenschaftlicher Begleitung des FRIBIS setzt sich die Expedition mithilfe von Volksbegehren dafür ein, an verschiedenen Orten deutschlandweit länderfinanzierte Modellversuche zum BGE auf den Weg zu bringen.

In diesem Video erklären Valentin Schagerl und Joy Ponader von der Expedition Grundeinkommen, was es mit ihrem Projekt auf sich hat.

Was ist der Deutsche Engagementpreis?

Der Preis möchte die Leistung von Millionen Menschen sichtbar machen und würdigen, die sich jedes Jahr in Deutschland freiwillig engagieren. Das Besondere an dem Preis ist, dass er nicht von einer Jury, sondern vom Publikum vergeben wird: Über 12.000 Menschen stimmten dieses Jahr dafür, dass die Expedition Grundeinkommen ausgezeichnet werden soll.

Was der Preis für die Grundeinkommensbewegung und das FRIBIS bedeutet

Die Vergabe des Publikumspreises an die Expedition Grundeinkommen zeigt, dass das Thema Grundeinkommen immer mehr an gesellschaftlicher Popularität gewinnt. Insbesondere das FRIBIS hat Grund, sich über die Auszeichnung der Expedition zu freuen: Seit der Gründung der Expedition Grundeinkommen im Jahr 2019 stehen wir den Aktivistinnen und Aktivisten mit wissenschaftlichem Rat und finanzieller Unterstützung tatkräftig zur Seite. Im FRIBIS-Team Expedition Grundeinkommen arbeiten Wissenschaft und Aktivismus Hand in Hand. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, das Grundeinkommen in Form von flächendeckenden Modellversuchen in ganz Deutschland Realität werden zu lassen.

Dr. Ana Helena Palermo Kuss ist Finalistin des deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung (2021)

Die an der Götz Werner Professur (GWP) promovierte Ökonomin Dr. Ana Helena Palermo Kuss hat es mit ihrem Beitrag „Bedingungsloses Grundeinkommen: Ein Konzept für den Sozialstaat des 21. Jahrhunderts? Ökonomische Untersuchung möglicher Auswirkungen und Popularität“ als einzige Ökonomin unter die Finalisten des deutschen Studienpreises 2021 der Körber-Stiftung geschafft. Frau Dr. Palermo Kuss ist inzwischen am Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) tätig.

Wir haben Ana Helena Palermo Kuss gefragt, was diese Nominierung für sie selbst und für die Debatte rund um das Grundeinkommen bedeutet: „Ich bin über die Nominierung meines Forschungsbeitrages für den Deutschen Studienpreis sehr glücklich. Das zeigt, dass das Thema Grundeikommen höchste gesellschaftliche Bedeutung besitzt. Die Vereinbarkeit eines Grundeinkommens mit bestehenden Sozialsicherungssystemen ist ein Thema, das noch weiter erforscht werden muss. Ich freue mich darüber, dass das FRIBIS sich dieser Aufgabe widmet. Ob das Grundeinkommen ein Konzept für den Sozialstaat des 21. Jahrhunderts ist, hängt unmittelbar davon ab, ob die konkrete sozialpolitische Reform zur Freiheit und Selbstbestimmung der Menschen sowie zum gesellschaftlichen Wohlstand positiv beiträgt.“

Das gesamte FRIBIS-Team gratuliert ihr zu dieser großartigen Leistung und wünscht ihr alles Gute für Ihre private und berufliche Zukunft.

Weitere Informationen zu Frau Palermo Kuss finden Sie auf der Homepage des ZEW, Genaueres zum Studienpreis der Körber Stiftung finden Sie hier.